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Traumfisch vom Ufer - Ein Erlebnisbericht von Horst Göthling

Wenn Angler erzählen, neigen sie ja bekanntlich zum Latein. Bei meiner Geschichte jedoch gibt es Zeugen und es spielt dabei weniger die Größe des Fisches eine Rolle als vielmehr die äußerst glücklichen Umstände, die zum „Fang meines Lebens“ führten. Das Ziel unserer diesjährigen Sommerreise mit unserem Wohnmobil sollten die Lofoten sein. Meine Frau und ich wollten mit unseren Freunden Peter und Gisela u.a. auch die Mitternachtssonne erleben. Als wir von Bodö kommend von der Fähre fuhren empfing uns Traumwetter. Doch am nächsten Tag die Ernüchterung: Schmuddelwetter. Das konnte Peter und mich aber nicht davon abhalten, an der nächsten vermeintlich „guten Angelstelle“ unsere Ruten auszuwerfen. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte Peter endlich eine Makrele überlisten.

Da wir des ewigen Werfens überdrüssig waren und uns die Arme noch schmerzten vom Saltstraumen (bei Bodö), machten wir unsere Grundruten fertig. Es war Zufall, dass ich aus meiner Angeltasche ein Paternostervorfach mit viel zu großen Meereshaken genommen und dann noch Bequemlichkeit, diese nicht gegen kleinere ausgetauscht zu haben. Der schmale Sund an dem wir standen, war ja nur ca. 5 m tief und größere Fische waren eher nicht zu erwarten. Nachdem wir unsere Köder am Grund platziert hatten ging die Beisserei los. Allerdings sehr zaghaft, alles deutete auf Krabben oder Kleinfisch hin. Dann jedoch hatte ich einen Biss der vielversprechender war. Ich nahm die Rute in die Hand und setzte den Anhieb. Mit einer Kraft, die ich zuvor noch nie erlebt hatte, zog etwas am anderen Ende der Schnur.

Ich hatte gar nicht mehr die Zeit, die Bremse zu lösen. Normalerweise wäre der Fisch verloren gewesen, wenn nicht in diesem Moment die Rücklaufsperre der Rolle ihren Geist aufgegeben hätte. Ich ließ die Rolle los und die Kurbel drehte sich wie eine Windmühle im Sturm. Nach einigen Minuten beruhigte sich der Fisch und zog draußen unbeirrt seine Bahnen. Dann plötzlich ging nichts mehr – Hänger!? Mein erster Gedanke war, dass das Grundblei oder ein freier Haken sich am Boden festgesetzt haben könnte. Peter und ich guckten uns an – welcher Fisch konnte das sein? Unsere Fantasie ging mit uns durch: Kabeljau, Köhler, Lachs oder doch Eishai? Egal, nun hing er fest und ich konnte eigentlich nur

noch abreißen. Ich zögerte und dachte, vielleicht kann sich der Fisch bei seiner Power ja selbst befreien. Also legte ich die Rute auf den Steg und wartete. Als sich nach 10 Minuten nichts bewegte war klar: der Fisch ist weg. Ich hatte die Rute gerade wieder in der Hand, da ging der Tanz wieder los, aber nicht mehr mit der unbändigen Gewalt wie zuvor. Irgendwann konnte ich den Fisch soweit hochpumpen, dass wir ihn sehen konnten: ein Heilbutt! Jetzt hatten wir das Problem der Landung. Ich stand bzw balancierte auf einer abbruchreifen Anlegestelle bestehend aus nackten Stahlträgern mit klaffenden Lücken dazwischen und Stahlseile, die auf einer Seite ins Wasser hingen.

Und ganau dorthin bewegte sich der Heilbutt. Mit viel Glück und der Mithilfe eines dritten Anglers gelang es uns, den Fisch auf die andere Seite zu dirigieren, wo Peter bereits mit dem Gaff wartete. Zu zweit konnten wir ihn mühsam an Land ziehen, wo sich mittlerweile einige Touristen aus Deutschland eingefunden hatten. Ich zitterte am ganzen Körper und war völlig erschöpft. Jemand holte eine Flasche Hochprozentiges und alle tranken auf mein Wohl und das meiner Helfer. Eine geeignete Waage hatte keiner dabei, so dass wir nur seine Länge messen konnten (1,24m!). Der Fisch wurde an Ort und Stelle zerlegt und große Teile davon verschenkt.

Uns vieren reichte der Rest für ca. eine Woche (geräuchert, gebraten, gedünstet, Fischsuppe und Sushi). Angesichts der großen Menge erteilte mir meine Frau gleich nach dem Fang erst mal Angelverbot für eine Woche. Nach zwei Tagen hatte ich die Angel aber schon wieder in der Hand.

Die zu ihren Laichplätzen in der Sargassosee abwandernden Tiere kommen oft in für sie unüberwindbaren Wasserkraftturbinen zu Schaden ,oder fallen Kormoranen und anderen Räubern zum Opfer. Ein weiterer Grund für den Rückgang liegt im Befall mit einem Schwimmblasenwurm der aus Asien eingeschleppt wurde.

Alles in allem war die ganze Aktion sehr gut geplant und ist reibungslos abgelaufen, hoffen wir das wir einige der besetzten Aale auch wiedersehen werden, hoffentlich wenn sie anständig abgewachsen sind.


Mit lieben Grüßen
Horst Göthling


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Denken Sie daran rechtzeitig Ihre Fangliste einzureichen. Das ist zwar nichts ganz aktuelles, aber daran sollte man immer mal denken :)

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